Vergessene Krankheiten: Tuberkulose, Malaria, Aids [ zurück ]
Freitag, 19.05.2003, von FAKT

"SARS" hält die Medien in Atem. Darüber geraten die anderen großen Infektionskrankheiten in Vergessenheit - die stellen ein wesentlich größeres Problem für die Menschheit dar.

Der Schrecken hat ein neues Gesicht - SARS! Seit Wochen lebt die Welt in Panik. Über 7700 Menschen haben sich mittlerweile infiziert, über 600 starben. Aber SARS eine neue Killerkrankheit?

Prof. Reinhard Kurth, Präsident Robert-Koch-Institut:
"Es gibt große Infektionskrankheiten weltweit gesehen, die uns viel größere Sorgen machen, als SARS. Die drei großen Killerinfektionen, wie wir das im Jargon nennen - nämlich Aids, Malaria und Tuberkulose - die jedes Jahr Millionen von Todesopfern fordern und worüber die Öffentlichkeit herzlich wenig spricht."

Tuberkulose, Malaria, Aids - Krankheiten, die weltweit wüten. Bei uns sind sie fast in Vergessenheit geraten. Milliarden Menschen sind mit dem Tuberkuloseerreger infiziert, jährlich sterben 2 Millionen Menschen an Tuberkulose.

Ein kleiner Mückenstich kann Malaria übertragen. Auch diese Krankheit tötet jedes Jahr zwei Millionen Menschen und jedes Jahr werden 40 Millionen Kinder neu infiziert.

Der größte verdrängte Killer heißt Aids. Täglich sterben 10 000 Menschen an der Immunschwächekrankheit. Weltweit haben sich bislang 60 Millionen Menschen mit Aids infiziert - Brennpunkt Afrika.

Prof. Reinhard Kurth, Präsident Robert-Koch-Institut:
"In einigen Ländern ist das Bevölkerungswachstum weitgehend gestoppt. Die Lebenserwartung in den 90er Jahren ist um über zehn Jahre gesunken. Man muss sich das mal durch den Kopf gehen lassen, was das für eine Gesellschaft bedeutet. Die Durchseuchungsraten in einigen Ländern, Simbabwe, Botswana, Namibia bei den 15 bis 49-jährigen, also der sexuell aktiven Bevölkerung ist auf 35 bis 40 Prozent und darüber hinaus gestiegen. Hier stirbt, ne ganze Generation weg."

Gegen keinen der drei großen Killer gibt es bis heute einen Impfstoff. Und das hat einen Grund. Denn in den westlichen Industrienationen stirbt in Folge von Infektionskrankheiten nur 1 Prozent der Bevölkerung. In den Entwicklungsländern sind es rund 50 Prozent.

Prof. Reinhard Kurth, Präsident Robert-Koch-Institut:
"Die Pharmaindustrie ist nicht interessiert an der Entwicklung von Medikamenten, wo kein Markt besteht - und die 3. Welt ist nun mal kein Markt."

Kofi Annan wollte von den UNO-Mitgliedern jährlich 10 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Killer einsammeln. Bislang sind aber insgesamt gerade einmal drei Milliarden in den von Annan eingerichteten "World-Fund" eingezahlt worden.

Prof. Reinhard Kurth, Präsident Robert-Koch-Institut:
"Es ist auch ein moralisches Problem, so sehe ich das. Wir können nicht hinnehmen, dass Kinder und auch Erwachsene millionenfach jedes Jahr sterben, durch Krankheiten, die verhinderbar oder die auch therapierbar sind."

Tuberkulose, Malaria, Aids - der Schrecken hat viele Gesichter. Und übrigens: An SARS ist in Europa bis heute noch kein einziger Mensch gestorben.

19.05.2003 | 21:20 bei ZDF-Sendung FAKT
Quelle: http://www.mdr.de/fakt/aktuell/727006.html

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SARS Grippe Tuberkulose Malaria Aids
Insgesamt 804 Tote weltweit (20.06.03).
Keine einzige in Deutschland und Europa
36.000 Tote in USA, 15.000 in Deutschland jährlich 2 Mio. Tote weltweit pro Jahr 2 Mio. Tote weltweit pro Jahr 3.6 Mio. Tote weltweit pro Jahr

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