Wie groß ist die Ansteckungsgefahr wirklich? [ zurück ]
Donnerstag, 15.05.2003 / Chinareise.com

Wie groß ist die Ansteckungsgefähr wirklich, wenn Sie in China wären?

Matthias Schepp, ein deutscher Stern-Reporter, der zur Zeit mit seiner Familie in Peking wohnt, berichtet für Stern in seinem Online-Tagebuch über die Lage vor Ort und schreibt im Tagebucheintrag "SARS und der Kanzler ohne Maske" vom 15.05.2003:

"Was SARS betrifft, ist die Wahrscheinlichkeit bei einer Kanzlerreise angesteckt zu werden etwa so hoch wie die von einem vom Himmel fallenden Asteroiden erschlagen zu werden. Selbst in China, in dem die Seuche außer Kontrolle geraten ist und die Pekinger Behörden bei über 50 Prozent der Neuansteckungen nicht wissen, wo sich die SARS-Opfer infiziert haben, ist es bei jährlich 110 000 Verkehrstoten immer noch vierhundertmal wahrscheinlicher bei einem Autounfall ums Leben zu kommen als an SARS zu sterben. "

In den internationalen Schulen der Hauptstadt fehlen bis zu 30 Prozent der Manager- und Diplomatenkinder, so berichtet der Stern-Reporter. "Die chinesische Regierung schürt die Panik, indem sie seit Wochen die Kindergärten geschlossen hält, obwohl Kinder allem Anschien nach über eine natürliche Immunität gegen SARS verfügen".

Der Kollege von Matthias Schepp, der Publizist Nuri Vittachi in Hongkong hat darauf hingewiesen, dass sich die Zahl der in Hongkonger Straßen herumlaufenden SARS-Infizierten inzwischen wahrscheinlich im einstelligen Bereich bewegt. Die rund 500 akut an SARS-Leidenden sind alle in Krankenhäusern. Gegenwärtig kommen fast keine Neuansteckungen dazu. Wenn wir von sieben Sars-Trägern ausgehen, die sich in den Straßen der Sieben-Millionen-Stadt bewegen, liegt die Wahrscheinlichkeit, einen davon zu treffen, bei eins zu einer Million. "Wie Vittachi fällt es mir schwer zu verstehen," so schreibt Matthias Schepp, "weshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Reisewarnung für Hongkong weiter aufrecht erhält. Warum warnt sie nicht vor Reisen in die USA? Da sterben jährlich 36 000 Menschen an der Influenza. Oder vor Reisen nach Deutschland? Denn auch dort rafft der Grippevirus jährlich mehr als zehntausend Menschen hinweg."

"Gestern erzählten mir meine Eltern, dass eine Nachbarin nicht mehr mit ihnen spreche, weil meine Mutter ein Päckchen geöffnet hat, dass ich ihnen vor zwei Wochen aus Peking nach Mainz geschickt hatte. Hätten ja SARS-Viren drin sein können. Deutschen Zeitungen entnehme ich, dass der Verband der Zahnärzte Meldungen dementieren musste, wonach Zahnfüllungen aus Asien die Seuche übertragen können. Meine eigene Redaktion ziert sich eine Bangkok-Reisegeschichte zu drucken. Sie fürchtet, thailandreisende stern-Leser statt in die Stadt der Engel, so der Beiname von Bangkonk, geradewegs in den Hades zu schicken. Tatsächlich hat Thailand weniger SARS-Ansteckungen als Deutschland. Die zwei SARS-Toten kamen aus dem Ausland, darunter Carlo Urbani, der italienische Arzt, der die Krankheit in Vietnam entdeckte. In Hamburg auch soll ein Paar, das vor kurzem aus China zurückkehrte, die eigene Hochzeit vor halbleeren Bänken und Stühlen gefeiert haben. Viele Freunde blieben weg, aus Angst vor SARS. Aus dem fernen Peking erlaube ich mir eine Frage: Wie reagieren wir Deutsche, wenn wir wirklich einmal mit einer Epidemie konfrontiert sind? "

15.05.2003 | Stern
Quelle: http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/index.html?id=507923&eid=506201

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SARS Grippe Tuberkulose Malaria Aids
Insgesamt 804 Tote weltweit (20.06.03).
Keine einzige in Deutschland und Europa
36.000 Tote in USA, 15.000 in Deutschland jährlich 2 Mio. Tote weltweit pro Jahr 2 Mio. Tote weltweit pro Jahr 3.6 Mio. Tote weltweit pro Jahr

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